u from the blox

Ich wollte schon immer mal mit GNSS-Modulen von u-blox arbeiten. Mittlerweile liegen auch ein paar Module herum. Beim „aktuellsten“ sollte es ein NEO-M8N werden, hauptsächlich, weil es relativ stromsparend in den internen Flash loggen kann und auch ansonsten relativ viel zu bieten hat.

Da die Module zwar direkt vom Hersteller erhältlich, in kleinen Stückzahlen aber sehr teuer sind, ein Blick auf eBay. Mit Antenne, kleiner Leiterkarte und und Versand mit dem Namen „GY-GPSV3-NEO“ gibt es sie schon für um die 12 Euro, also her damit! Bis es der Empfänger aus China hierher geschafft hat dauert zwar 4-8 Wochen, ohne besonderen Leidensdruck kann man das aber gut abwarten.

Packung auf und mit einem USB<>UART-Adapter an den PC – nach kurzer Zeit gibt es einen Fix und ich kann zusehen, wie die Position im Umkreis von ein paar Metern umher eiert, so weit, so gut.

Als ich in u-center (der Software zum Testen und Konfigurieren der Empfänger) Logging testen wollte passierte – nichts.

Ok, vielleicht ist eine alte Firmware drauf. Es gibt eine neuere, diese lässt sich aber nicht flashen, auch mit verschiedenen Einstellungen. Hmpf. Bin ich einem Fake aufgelaufen?

Wie sich herausstellt: ja!

Schaut man sich das Label auf dem Modul an, fällt auf, dass das Firmenlogo ausgefranst und alle runden Symbole nicht wirklich rund sind. Die Schrift passt ebenfalls nicht. Hmm, warum hat das Modul auf der eBay-Seite eigentlich die genau gleiche Seriennummer? Ist das die Nummer für die gesamte Serie?!? Klickt man sich durch die Google-Bildersuche sticht ins Auge, dass alle Module eine Datamatrix haben. Mein Modul dagegen hat einen QR-Code. Was steht da eigentlich drin? Kurz mit dem Handy gescannt: „NEO-6M-0-0001 […]“ – ich dachte, das wäre ein M8N? Nanu? Gibt man dem Modul Strom, nachdem es per UART am PC angeschlossen ist, bekommt man Infos vom Bootloader. Dort steht wiederum M8:

$GNTXT,01,01,02,u-blox AG - www.u-blox.com*4E
$GNTXT,01,01,02,HW UBX-M80xx 00080000 *43
$GNTXT,01,01,02,ROM CORE 2.01 (75331) Oct 29 2013 13:28:17*4A
$GNTXT,01,01,02,PROTVER 15.00*01

eBay-Käuferschutz zum Glück bekomme ich, nachdem mich der Händler dann doch nochmal versucht abzuziehen („Bitte den Fall schließen, damit wir das Geld auszahlen können“ – ja ne, is klar), kam das Geld zurück. Aber was nun mit dem Modul? Richtig nutzlos ist es nicht, aber doch irgendwie – weil es eben die Funktionen, für die ich es gekauft habe, nicht kann.

Aber wenn da schon ein M8 drin ist, dann sollte das doch grundsätzlich funktionieren. Gleichzeitig wäre auch interessant, was da überhaupt drin ist. Im Forum von u-blox konnte ich zumindest ein Foto mit Original und Fälschung finden. Auf dem Original sitzt ein 25Q16DV (QSPI-Flash) von Winbond, auf dem Fake nicht.

Also runter mit dem Kopf! Aber bitte so, dass es danach noch funktioniert.

Hier mal eine kleine und überaus dilettantische Collage des Shieldings von allen vier Seiten:

Am gleichmäßigsten geht es wohl runter, wenn man alles mit Heißluft erwärmt und dann den Blechdeckel abhebt. Bei meinen Fähigkeiten rutscht es in der Regel aber erst mal zur Seite und nimmt ein paar SMD-Komponenten bei denen man nie wieder herausfindet, wie sie mal drauf waren.

Nachdem das Shielding nur an ein paar Punkten aufgelötet ist, geht es auch mit dem Lötkolben. Lötzinn als Wärmebrücke auf das Blech, Schraubendreher in den Spalt einklemmen und anschließend erhitzen und vorsichtig hebeln. Leider lässt sich die Leiterkarte erstaunlich leicht delaminieren, hat es aber augenscheinlich ganz gut überstanden:

Kein Flash. In den Unweiten des Internets lässt sich keine Pinbelegung des M8030-KT finden. Wohl aber des Vorgängers G7020 (im Hardware Integration Manual, um zumindest ein Suchwort zu geben). Die Chips gleichen sich der Beschaltung ziemlich stark – warum sollte man auch ein bestehendes – durchaus komplexes – Design ohne Not ändern?

Wie auch immer, Pin 25-30 (rechts oben am Chip im Bild) sind IOs und werden – zumindest beim 7020er – für externen Speicher genutzt. Pin 29 definiert, wenn auf GND gezogen, dass nur der interne ROM verwendet wird. Die 3 Pins darunter legen in dieser Konstellation ein paar Konfigurationen fest. Das Bild im u-blox-Forum korreliert zumindest soweit man es erahnen kann mit dieser Information. Wäre nicht dieser dämliche Pin 29 mit der Massefläche verbunden. Bleibt zu hoffen, dass er das nur von außen und nicht auch von hinten ist. Ich befürchte aber, …

Ein Schnitt mit dem Skalpell später und „pieeep“ sagt das Multimeter – meh. 🙁

Ende für Teil 1.

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