Homeoffice oder: der dumme USB Sharing Switch

Seit Mitte März arbeite ich nun durchgehend zu Hause.

Damit es keine Doppelbelegung gibt und auch der Laborplatz verwendet werden kann, hängt das Arbeitsnotebook an meiner restlichen Peripherie. Die ersten Tage bin ich jeden Tag noch zweimal unter den Tisch, um die DisplayPort-Stecker von PC zu Notebook und wieder zurückzustecken. Recht schnell kam dabei der Gedanke: für wie viele Zyklen sind die Konnektoren überhaupt gemacht?

Leider hat das Dock vom Arbeitsgerät nur VGA (für 1440p eine Zumutung) und 2x DP. Aber: das Notebook selbst hat zumindest einen HDMI und meine Bildschirme jeweils auch. Mein uraltes Thinkpad hatte doch auch (nur) Displayport und alles, woran man es damals anschließen wollte, hatte wenn dann nur HDMI – also kam mal ein Adapter ins Haus.

Nun muss nur noch, Maus, Tastatur, Mikrofon und Kamera umgesteckt werden. Um nicht alles einzeln zu machen hängen alle Geräte an einem USB-Hub. Auch wenn es jetzt deutlich bequemer ist, unter den Tisch muss man trotzdem noch.

Aber auch das Problem lässt sich lösen. Für eine alte Bastelei hatte ich noch einen USB-Schalter – den auf Umschalter umzubauen, dazu noch mit vernünftigem Power select (keine Rückströme), dürfte ziemlich unangenehm sein. Glücklicherweise gibt es so etwas im Austausch kleine bunte Papierstreifen nach Hause geliefert:

USB-Umschalter „Auto Sharing Switch“

2 Buchsen für den PC, eine (verbogene) für ein Gerät, zwei Tasten. Einfach wie effektiv. Bei den Kosten und aus reiner Neugierde kann man schon einmal einen Blick ins Innere werfen. Zunächst die Unterseite:

Leiterkarte des USB-Umschalters von unten

Hmm, mit lecker Kruste sowie Hotfix (rechts oben) und ein bisschen Lötzinn an der USB-Buchse als Beilage. Das kann oben nur besser werden…

Oberseite des USB-Umschalters

Ok, das Teil heißt also FJ-U02S und stammt von www.fj-gear.com und sieht soweit gar nicht mal so gut aus – man beachte den Bereich rechts unten – da ist wohl mal der Schraubendreher (oder Hammer?) ausgerutscht…

Noch einmal ein bisschen näher:

Was um alles in der Welt haben die in der Fabrik mit dem Teil angestellt? Es fehlen Pads von 5 Bauteilen und der Hotfix macht es auch nicht besser… Die beiden Widerstände sind übrigens 1k. Der C war warscheinlich ein kläglicher Versuch, noch irgendwas am Ausgang zu filtern. Der kann von mir aus weg bleiben. Trotzdem habe ich es mir nicht nehmen lassen, die Leitungen noch ein bisschen zu verstärken.

Der Transistor schaltet übrigens die Versorgung des angeschlossenen Devices – auch dank der Dioden in Reihe mit VBUS von den Hosts ist es nicht ratsam, ein Gerät das sich über USB versorgt anzuschließen – zumindest ohne aktivem USB-Hub. Ohne Last habe ich am Ausgang knapp 4,3 V gemessen (obwohl es nach Marking Schottky-Dioden sein sollten).

Ansonsten finden sich folgende Hauptkomponenten auf dem Board:

  • WCH CH440G – Analog-Switch (PDF-Link nach China)
  • WCH CH9882 – Vermutlich ein Mikrocontroller mit USB
  • OnSemi NC7SZ32 – TinyLogic OR-Gate
  • NXP 74HC123D – Dual retriggerable monostable multivibrator with reset
  • ST LM358 – Operationsverstärker

Warum das Teil einen Mikrocontroller hat? Vermutlich aus dem gleichen Grund, warum eine CD beiliegt: Damit man vom (nicht verbundenen) PC aus den Host umschalten kann. Ich war so mutig/dumm und habe die Software installiert – allerdings tut sich soweit gar nichts.

Das Gerät meldet sich mit VID 0x1A86 und PID 0xE040 als HID an und hat sonst keinerlei Beschreibungen. Laut HID-Descriptor hat es eine Reportlänge (in und out) von 9 Byte (inkl. Report ID). Wer sich für mehr interessiert, hier mal der komplette Dump aus USB Device Tree Viewer

Leider ist das Teil nicht intelligent genug, auf den Host umzuschalten, der gerade aktiv ist (wenn der andere aus ist). Damit könnte das Teil einfach unsichtbar unterm Schreibtisch verschwinden.

Unterm Strich sieht mein Setup nun ungefähr wie folgt aus:

Einzig der (powered) USB-Hub muss manchmal aus- und wieder eingeschaltet werden, wenn die Einschaltreihenfolge der Stromversorgung und PC nicht passt. Aber vielleicht findet sich dafür auch eine sinnvolle Lösung 🙂

Beim Schreiben des Beitrags ist mir übrigens aufgefallen, dass Video auch gänzlich übers Dock funktionieren dürfte, da die Grafikkarte am PC auch einen HDMI hat. Also: 1x DP und 1x HDMI jeweils vom PC & Notebook. Solange ich aber nicht spontan zwischen Homeoffice und Arbeitsplatz wechsle bleibt es erst einmal so wie es ist.

A-GPS für die Canon SX280

Manchmal muss man alte Beiträge nochmal ausgraben.

Canon hat letztes Jahr angekündigt, ab 1. Januar 2020 keine A-GPS-Daten mehr für die SX280 anzubieten. Diese ermöglichten, einen Cold Start des GNSS-Empfängers auf wenige Sekunden zu verkürzen. Die Meldung ging an mir komplett vorbei, nicht aber Andreas, von dem der Hinweis kam.

Er konnte auch direkt bestätigen, dass auf den Servern von Canon die Datei zwar noch angeboten wir, der Inhalt aber einen Stand vom 05.01.2020 aufweist.

Um es kurz zu machen: Zum Stand meines alten Artikels hat der Download von http://epodownload.mediatek.com/EPO.DAT funktioniert und entsprach der Datei \DCIM\CANONMSC\GPS\CAGM01.EED auf der Speicherkarte der Kamera. Das ist auch heute noch so.

Keine Ahnung, was man mit dieser Information anfangen kann…

Zugegebenermaßen: die olle Knipse verwende ich nicht mehr wirklich, hat sich im Urlaub vor zwei Jahren aber noch ganz passabel als Notfallkamera und vor allem als GPS-Logger bewährt.

GPS-Logging habe ich bisher nicht mit dem Telefon gemacht, da es zumindest früher immer wahnsinnig Akku gesaugt hat – aber auch hier hat Andreas einen Tipp: https://gpslogger.app – ohne, dass ich es bis jetzt getestet habe.

Noch ein weiterer Hinweis von ihm:

[…] scheint täglich um 05:55

(tDiff +6h, dh kurz vor TW-Mitternacht!?) upgedatet zu werden.

Info zur Struktur der Datei gefunden:

https://github.com/mru00/crane_gps_watch/tree/master/snoops

[…]

Noch eine andere Anmerkung (meinerseits) zur Thematik: „It’s all fun and games, until they shut down the servers.“ – Bei enorm vielen neuen Geräten sind Dienste im Internet mehr oder weniger zwingend erforderlich oder ein Teil des Produkts – wie man schon ein paar Mal gesehen hat und in Zukunft noch viel öfter sehen wird: irgendwann ist das Zeug zu legacy oder schlicht und ergreifend die Firma hinter dem Produkt zu Pleite und die Investition ist verloren.

Daher ist meine Meinung: Wenn ein Produkt nicht mehr unterstützt oder gar begraben wird, sollte es oder deren Services an die Community übergegeben werden. Der IP (intellectual property) ist für den Hersteller eh nicht mehr interessant oder zumindest überholt und so kann Landfill und Sicherheitslücken vermieden und die die Kunden bei Laune gehalten werden. Natürlich entspricht das nicht dem Ziel gewinnorientierter Firmen, deswegen sollte hier auch etwas aus der Regierung kommen.

Die Goobay Steckdosenleiste

Der neue Rechner steht da und funktioniert soweit, nur gibt es nun ein Problem: Die Leitungsschutzschalter in meiner Wohnung sind nach über 30 Jahren schon ziemlich ausgenudelt und nachdem mein PC samt Peripherie bei Nichtbenutzung vom Strom getrennt wird (bisweilen mit Taster + Stromstoßschalter) ist der Einschaltstrom zu viel für den LSS, auf dem die halbe Butze hängt.

Beim alten PC habe ich immer hinter das Gehäuse gefasst und das Netzteil vor dem Betätigen des Hauptschalters kurz ausgeknipst. Neue Gehäuse haben das Netzteil unten verbaut, hieße: unter den Tisch krabbeln.

eBay fördert ein Wunderwerk des China-Exports zu Tage: eine Steckdosenleiste mit Haupt- und Einzelschaltern, sogar noch genug von der Sorte um den Drucker und Verstärker getrennt zu schalten (seitdem ich einen DAC und vernünftige Kopfhörer habe, bleiben die größeren Lautsprecher öfter aus). Also bestellt und zwei Tage später von innen bewundert:

Eine Kombination aus Ultraschallschweißen und Verlöten – Einzelne Leitungen zu den Dosen hätte ich ehrlich gesagt nicht erwartet, eher dass die Federkontakte direkt an die Schalter gelötet sind…

Der Hauptschalter ist zweipolig – so wie es sein sollte. Die Einzelschalter knipsen leider nur einpolig aus. Ich hatte schon vor dem Kauf noch die Hoffnung, dass die LED anzeigt, wenn die Phase auf der richtigen Seite hängt, ein genauerer Blick verrät aber:

Nope, nix schickes drin, nur ein Kondensatornetzteil damit nicht nur die Schalter sondern die (selbstverständlich) blaue und viel zu helle LED die Netzhaut runterbrennt. Immerhin: Es gibt tatsächlich einen Überspannungsschutz. Wie gut er ist habe ich nicht weiter untersucht.

Jetzt aber noch kurz, warum ich von den einpoligen Schaltern und der nicht vorhandenen Phasenanzeige nicht so begeistert bin:

Der Schalter ist aus, der Lügenstift leuchtet aber trotzdem – nanu?

Es ist ausnahmsweise keine Fehlfunktion des „Phasenprüfers“, an der Buchse liegen tatsächlich 230 V an. Der Grund ist einfach wie fatal: unsere (sonst eigentlich gut durchdachten Schuko-Stecker) kann man in beide Richtungen stecken und es gibt m.W. auch keine Vorgaben, wo an Steckdosen die Phase hängen muss. Wenn nun ein einpoliger Schalter auf diese Unbekannte stößt, besteht eine 50:50-Chance, dass es nicht leuchtet, dafür aber brennt.

An Geräten mit Metallgehäuse kann man sich dadurch entweder lustige Elektrovibration oder einen eher unangenehmen Schlag abholen (da muss dann aber schon mehr schief gegangen sein), schön ist es trotzdem nicht.

Ich hab an beiden Enden (Stecker und Buchsen) nun einfach die dauerhaft verbundene Seite mit „N“ beschriftet und mich nochmal an der Steckdose anlügen lassen.

Bezüglich der Leitungsschutzschalter: Der Techniker ist informiert, dabei wird dann auch gleich der uralt-FI in den Ruhestand geschickt.

APDS-9960 decap

Der APDS-9960 von Avago/Broadcom ist das, was man sich unter einem vernünftigen Lichtsensor vorstellt: ALS, Proximity, RGB.

Weil ich eine Konkrete Idee für eine Anwendung hatte, landete einer für billig Geld auf dem Basteltisch. Nur leider wollte er nicht so richtig. Ich konnte ihn nicht dazu überreden, RGB-Werte auszuspucken und die ID passte auch nicht wirklich.

Im Internet gab es nichts zu finden, auch die IDs der anderen APDS-Sensoren passten nicht.

Da das Teil zu meinem Erstaunen einen Metalldeckel hat: warum nicht kurz drunterschauen? An der ersten Seite hat das leichte Hochbiegen noch ganz gut funktioniert, bei der zweiten nicht mehr:

Man erkennt es leider nicht ganz so gut, aber die IR-LED und ein paar Bonddrähte blieben im oberen Teil. Well, fuck.

Naja, jetzt brauch ich schon nicht mehr das passende Datenblatt suchen.

廉价 oder 有利

Günstig oder billig?

Ein Kollege brachte heute ein Stück Technik vorbei, das zwar funktionierte, aber nicht so richtig wertig wirkte:

Links ist das gute Stück, rechts ein zum Verwechseln ähnlicher USB-Charger von Samsung. Abgesehen von der Größe und und dem fehlenden Samsung-Logo (ok, das CE-Logo sieht auch eher nach „China Export“ aus) merkt man den Unterschied, wenn die Steckernetzteile in der Hand hält: Das Gewicht ist doch ziemlich unterschiedlich: Der Samsung-Charger wiegt mit 40 g ein bisschen mehr als doppelt so viel wie das Teil aus dem Reich der Mitte (18 g).

Mit ein bisschen Gewalt am oberen Ende offenbarte das Ladegerät seine inneren Werte, die man vorher schon an der USB-Buchse riechen konnte (heißes Hartpapier). Entsprechend meinen Erwartungen wurde ich nicht enttäuscht:

Hmmm, Crusty!

Zum Vergleich die Innereien eines anderen Samsung-Ladegerätes, das ich mal auseinandergenommen habe (IIRC ohne „adaptive fast charging“):

Auffälligster Unterschied: Eine richtige Sicherung, eine Common-Mode-Choke zur Funkentstörung, bisschen höherwertige Kondensatoren (wobei mir „Chang“ nicht als besonders hochwertig in Erinnerung ist), ein im Vergleich richtig fetter Transformator und ein halbwegs seriöser X-Kondensator zwischen Primär- und Sekundärseite. Der größte und auffälligste Unterschied: Eine Isolationsplatte, die durch den Slot zwischen Netzspannung und Schutzkleinspannung greift. In den Bildern sieht man es leider nicht so richtig: sie ragt 3,5 mm über die andere Seite der Leiterkarte heraus.

Aber auch auf der Unterseite sieht man deutliche Unterschiede. Zunächst, als Positivbeispiel Samsung:


Muss man noch etwas dazu sagen?

…und nun das, was man für 3,50 1,86 Euro mit USB-Kabel und Versand bekommt:

Der Isolationsabstand zwischen Primär- und Sekundärseite beträgt ca. 1,5 mm. Die Kriechstrecke sollte IIRC eher die vierfache Breite haben

Völlig unklar ist auch, wie gut die Wicklungen im Trafo voneinander isoliert sind. Wenn man genauer hinsieht, kann man zwar noch eine rote Folie unter der äußeren Wicklung erkennen, aber die Zweifel bleiben

Kurzgesagt: Das Teil würde ich definitiv nicht an mein Telefon oder etwas anderes anschließen.

Noch ein weiteres Leckerchen: Die Interpretation einer Sicherung (der Eingangswiderstand) oder besser sein Beinchen (unten mitte-links im Bild) ist so ungeschickt abgeschnitten, dass der Pin sehr nah in Richtung Ausgangsseite des Gleichrichters reicht.

Den Ausfall dürfte man dann ziemlich schnell merken 😉

Fail: USB-Switch

Man spricht und schreibt eher ungern über eigene Fehler und/oder das eigene Unvermögen.

Aber Fehler gehören dazu. Man kann zwar ohne sie auch lernen, aber am besten und meisten lernt man meiner Meinung immer noch aus Fehlern.

Folgende Bastelei liegt schon ewig auf dem Tisch, genau genommen seit 2016:

An den Fädeldrähten sieht man – da passte etwas am Layout nicht. Der Schaltplan dazu sieht wie folgt aus:

Keine Ahnung woran es lag, der Knoten im Kopf mit negiertem Output Enable, high side switch und Inverter war wahrscheinlich zu groß. Eigentlich total Pillepalle aber es wollte einfach nicht.

Mit Fädeldraht hat es dann auch funktioniert aber das ganze Teil ist so unbefriedigend, dass ich mich entschieden habe keinen Artikel zu schreiben. Der USB-Switch ist schlecht beschaffbar und noch bescheidener zu Löten, die Einschaltfolge (erst Strom dann Daten beim Einschalten, beim Ausschalten umgekehrt) wird nicht eingehalten, die Höhe von Stecker und Buchse passen nicht zueinander, von richtigem Differential-Pair-Routing fange ich noch nicht einmal an zu sprechen.

Trotzdem hat das Teil seinen Zweck zumindest einmal erfüllt. Ob es mal eine out-of-box funktionierende Variante geben wird – keine Ahnung. Am liebsten wäre – zumindest mir – etwas, das deutlich mehr kann, sprich: USB Switch, Strommessung, Stromlimit, Schalten per PC (ohne zusätzliche Hardware), usw.

Vielleicht. Irgendwann.


Neuer Regler oder Exorzist?

Hmm.

Ab und zu schaue ich, was die Heizung bei meinen Eltern so treibt und heute gab es beim Solarregler folgendes zu sehen:

Das Teil hat schon länger ab und zu mal ein Zeichen blinken lassen, ich bin mir aber nicht ganz sicher, ob es wirklich nur das Display, die Strecke zwischen Mikrocontroller und LCD-Controller oder doch mehr ist.

Gehackt sollte es zumindest nicht sein, da die Energieerfassung auf dem VBus nur mithört.

Mal sehen, wie sich das Ganze entwickelt.

PSA: HMC5883L vs. QMC5883L

Mittlerweile bestelle ich ja auch ganz gerne bastelfreundliche Module, darunter zuletzt auch ein GY-271, ein Kompassmodul, das einen Honeywell HMC5883L enthalten sollte. Beim I2C-Detect ist schon aufgefallen, dass die Adresse nicht wie erwartet ist – 0x0D (7-bit) statt 0x1E (7-bit).

Im Datenblatt von Honeywell steht leider nichts vom Package-Marking, also mal auf die Suche begeben.

Wie sich herausstellt, werden mittlerweile auch ganz gerne die nahezu pinkompatiblen und komplett softwareinkompatiblen QMC5883 der Firma qst verbaut. Zum Hersteller konnte ich nichts in Erfahrung bringen. Auch nicht auf baidu.com. Etwas irritierend auch, dass in den Meta-Infos des Datenblatts als Verfasser „Honeywell“ steht. Da war wohl eher der Wunsch Vater des Gedanken.

Wie auch immer, hier mal ein Foto der ICs bzw. Module im Vergleich:


Hier sieht man auch, dass die Beschaltung wohl leicht anders ist.

Auf Datenblätter verlinke ich mal nicht, die findet man sehr einfach im Internet.

Fotolicht und Drehplatte

Schon vor einer guten Weile liegen hier ein paar LED-Panele herum, die ich schon länger in einem eher abenteuerlichen Aufbau (wenn man das Anlehnen am Mikroskoparm so bezeichnen darf) als Fotolicht verwendet hab.

Nachdem ich bei einer Aufräum- und Ausmuster-Aktion an eine Drehplatte (eigentlich zum Vermessen von Lautsprechern) gekommen bin, ist nun folgende Konstruktion entstanden:

Die ersten so entstandenen Aufnahmen waren glaube ich die vom Pirozeda, nachdem es mir aber irgendwann zu blöd wurde, mussten etwas besseres her. Zwei Pressspanplatten, ein paar Winkel, ein Rohr und bisschen Faden – fertig ist die kippbare Fotoleuchte. Durch die flächige Ausleuchtung ist es nahezu schattenfrei, auch Reflexionen machen erstaunlich wenige Probleme.

Leiterkarten – und natürlich auch andere Dinge – lassen sich damit nun ziemlich gut ablichten:

Klick für volle Größe

Das Bild ist um 90° gedreht, in der Ansicht von oben kommt das Licht von „Norden und Süden“ – was die Schatten zwischen den Tastern verursacht.

Aber warum die Drehplatte? Zum einen erhöht sie den Aufbau ein wenig, was in Sachen Ausleuchtung von Vorteil sein kann, zum anderen: 360°-Ansichten. Das erste Video ist leider noch nicht ganz so toll. Drei Dinge fallen auf:

  • Frame you f…! -> Das Ausrichten ist etwas trickier als man denkt, aber Übung macht den Meister
  • Focus you f…! -> In der Aufnahme habe ich vergessen, auf manuellen Fokus zu stellen, dadurch gibt es kein Pumpen mehr
  • (Don’t) Flicker you f…! -> Da brauch ich wohl andere LED-Treiber

Für die 360°-Aufnahmen wird’s wohl noch bisschen Software brauchen, einfach nur drehen lassen ist schön und gut, besser ist es IMHO das ganze interaktiv zu haben.

Zudem braucht’s wahrscheinlich auch ein bisschen Postprocessing bei der Aufnahme. Meine Kamera kann UHD (auch wenn 4K draufsteht), da fallen ca. 800 MB/min, was auch in etwa der Dauer einer Umdrehung der Platte entspricht. Bei 24 fps gibt das 1440 Bilder und eine Winkelauflösung von 0,25° – viel zu viel. 360 Frames, also 1° Winkelauflösung dürften für die meisten Anwendungen mehr als ausreichend sein. Wahrscheinlich reichen auch Full-HD als Auflösung (wie das Youtube-Video, übrigens ursprünglich mit x265 und 6 MBit/s auf ca. 50 MB rekomprimiert).

Mal schauen, wann ich Zeit und Lust dazu habe.

Wen es noch interessiert, hier ein Framegrab aus dem usprünglichen Video (JPEG rekomprimiert mit 85%, ansonsten ist der Bildinhalt unverändert):

Wie gut sind COB-LEDs?

Chip on Board-LED-Module – mittlerweile in Flutern sehr weit verbreitet und sehr günstig zu beschaffen.

Da ich bei einer Aufräumaktion eine Schreibtischleuchte (noch mit Leuchtstofflampen und fehlendem Treiber) ergattern konnte war der erste Gedanke: Umrüsten auf LED.

Im Asiamarkt (ok, eBay) gab es 4 Module – 2x warmweiß und 2x kaltweiß – für nicht ganz 6 Euro bei nicht einmal 2 Wochen Versand:

Leider sind Module mit 2700 K Farbtemperatur eher selten, also ca. 3250 K und 6250 K. Aber warum überhaupt verschiedene Werte? Kaltweiß ist besser, um Farben neutral zu sehen, warmweiß ist angenehmer für’s Auge. Allerdings muss man dazu sagen: es ist nur die halbe Wahrheit. Ein wichtiger ist der CRI. Echte weiße LEDs gibt es nicht, es handelt sich in aller Regel um blauen LEDs, die bestimmte Farbstoffe anregen und je nach Material ist das Spektrum und damit die Farbwiedergabe unterschiedlich – aber das nur am Rande.

Um die Spannung und Ströme der Streifen gering zu halten, sind die LEDs in mehrere Stränge, meist mit der Länge 3 angeordnet. Bei einer Flussspannung von 3,2 Volt sind das 9,6 Volt, mit einem Vorwiderstand haben die meisten Streifen eine Betriebsspannung von 12 Volt. Das ist bei den meisten COBs meist nicht der Fall. 4 LEDs in Reihe, mehrere dieser Stränge parallel und fertig. Durch Fertigungstoleranzen schwanken die Vorwärtsspannungen ein bisschen, das kann man im Griff haben aber das kostet natürlich. Bei einigen hundert LEDs für 6 Euro: never ever.

Aber wie schlecht sind sie wirklich? Der Test funktioniert relativ einfach: LED an eine Spannungsquelle anschließen und die Spannung so weit erhöhen, bis sie leicht zu glimmen anfangen – bei den gekauften Exemplaren war das bei 9 Volt:

Montage von 4 Fotos bei gleicher Belichtungszeit

Die Belichtung wurde so eingestellt, dass möglichst keine Übersteuerung der Farbkanäle stattfindet, hat auch fast geklappt.

Man sieht gewisse Ungleichmäßigkeiten, not too bad, not too good either. Richtiges Binning hat auf keinen Fall stattgefunden.

Die Leuchtpunkte der unteren LED wurden ausgeschnitten, ausgerichtet und durch ein kleines Python-Script (mit pillow statt pil) gejagt:

from PIL import Image
im = Image.open('P1120207.png', 'r')
width, height = im.size
pixel_values = list(im.getdata())

y = 8

for x in range(0, width):
px = pixel_values[width*y+x]
print(str(px[0]) + "\t" + str(px[1]) + "\t" + str(px[2]))

Das Script spuckt die RGB-Werte der 8. Zeile aus. Auch wenn der blaue Farbkanal am ehesten heraussticht, ist es besser den grünen zu verwenden – weniger Clipping und durch Chroma-Subsampling (besser kein JPEG verwenden) und des Bayer-Pattern ist grün einfach besser ;).

Aus Excel kam dann folgendes Diagramm:

Mit ein bisschen Phantasie erkennt man die Stranglänge. Die Aussagekraft des Diagramms ist zugegebenermaßen etwas eingeschränkt: Es ist kein kalibriertes System sondern eher ein Schätzeisen aber es reicht für einen groben Vergleich: Es gibt einen ausreißenden Strang (nach oben) und einige LED-Chips in den Stränge, die deutlich darunter liegen. Grundlegend ist die Bewertung mit dem Diagramm aber etwas besser möglich als durch das Ansehen der Bilder, da der Faktor subjektive Wahrnehmung verringert wird und Nuancen in Helligkeitsunterschieden besser erkennbar sind.

Mal sehen, wie sich die Streifen dann im tatsächlichen Einsatz machen…